Geriatrisches Assessment

Das geriatrische Assessment ist ein diagnostischer Prozess zur Erfassung von Funktionseinschränkungen des älteren, häufig multimorbiden Menschen. Damit dient es gleichermaßen der Therapieplanung als auch der Beurteilung eines Rehabilitationserfolges. Hier finden Sie eine kurze Erläuterung zum geraiatrischen Assessment.

Barthel-Index

ist ein gebräuchliches Verfahren zur Einschätzung grundlegender pflegerelevanter Aktivitäten (ATL = Aktivitäten des täglichen Lebens; engl. ADL = activity of daily life). Es können maximal 100 Punkte aus 10 Items erreicht werden. Bei weniger als 30 Punkten besteht ein erheblicher Pflegebedarf, bei mehr als 85 Punkten ist man weitgehend selbständig.

Sozialfragebogen

erfasst das soziale Gefüge, in das ein Mensch eingebettet ist. Das Umfeld ist entscheidend für den Hilfs- oder Pflegebedarf im Krankheitsfall. Durch den Sozialfragebogen wird der aktuelle Stand erfasst und es können frühzeitig Lücken und Bedarf festgestellt werden.

Timed up & go

bestimmt die Zeit in Sekunden, die ein Patient braucht, um vom Stuhl aufzustehen, 3 Meter zu gehen, sich umzudrehen, zurückzugehen und wieder hinzusetzen.

< 10 Sekunden normal
< 20 Sekunden Einschränkungen der ATL´s möglich
< 30 Sekunden wahrscheinlich erhöhtes Sturzrisiko
> 30 Sekunden sicher erhöhtes Sturzrisiko, das zeitgerechte Überqueren einer Straße während der Grünphase wird nicht mehr möglich sein

Mobilitätstest nach Tinetti

analysiert die Mobilität des Patienten in Teilfunktionen wie Balance, Standsicherheit und Gangbild zur Abschätzung des Sturzrisikos. Es können maximal 28 Punkte erreicht werden. Bei mehr als 24 Punkten besteht keine Sturzgefährdung. Bei weniger als 23 Punkten besteht eine leichte, bei weniger als 20 Punkten eine deutliche Sturzgefährdung.

Esslinger Transferskala

gibt den Hilfsbedarf des Patienten beim Transfer vom Bett in einen Stuhl / Rollstuhl an. Dabei bedeuten H0 keine, H1 spontane, H2 geschulte Laienhilfe; bei H3 ist eine, bei H4 sind mindestens zwei Pflegepersonen erforderlich.

Clock-Completion

überprüft die visuell-räumlichen Fähigkeiten: bei diesem einfach anmutenden Test müssen die Ziffern und Zeiger einer Uhr in einen vorgegebenen Kreis eingetragen werden. Die Bewertung (Score) orientiert sich am Schulnotensystem.

DemTect

ist ein schnell durchzuführendes Screening, um einen ersten Anhalt für Auffälligkeiten zu bekommen. Er enthält fünf Aufgaben zu den Funktionen verbales Gedächtnis, Wortflüssigkeit, intellektuelle Flexibilität und Aufmerksamkeit.

Es können maximal 18 Punkte erreicht werden. Weniger als 9 sind ein deutlicher Verdacht auf ein dementielles Syndrom (weitere Tests z.B. mit MMST), 9-12 leichte kognitive Störung (Kontrolle in 6 Monaten), >12 altersgemäße kognitive Leistung

Minimental State MMS (MMST)

ist das am weitesten verbreitete Verfahren zur Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten. Der Test wird durchgeführt, wenn der DemTect entsprechende Auffälligkeiten zeigt.

Es können maximal 30 Punkte erreicht werden. Weniger als 24 (<26) Punkte sprechen für eine leichte, weniger als 18 (-20) Punkte für eine mittelschwere und weniger als 10 Punkte für eine schwere Demenz.

Für Fahrtauglichkeit gilt: Bei mehr als 25 Punkten ist das Unfallrisiko so hoch wie in der Altersgruppe 16-25 LJ. Bei 20-25 Punkten besteht ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko, eine Fahrerprobung (mit Fahrlehrer) wird empfohlen. Bei weniger als 20 Punkten ist man sicher fahruntauglich.

Geriatrische Depressions-Skala GDS

ermittelt mit Hilfe eines vom Patienten auszufüllenden Fragebogens Hinweise auf eine eventuell vorhandene Altersdepression oder depressive Stimmungslage. Der Fragebogen liegt in einer Kurz- und einer Langfassung vor und eignet sich für gesunde, medizinisch kranke und mild bis moderat kognitiv eingeschränkte ältere Menschen.